Zum 25. Jubiläum der Chiemseemeisterschaft stand das „Blaue Band des Chiemsee Yacht Clubs" ganz im Zeichen eines ungewöhnlichen Ereignisses – die Hitzewelle im Juni 2026: Zum ersten Mal in seiner Geschichte musste das traditionsreiche Rennen abgebrochen werden. Was dennoch zu einer gelungenen Veranstaltung am Ende führte. Die Regatta zählt zu den traditionsreichsten und teilnehmerstärksten Segelveranstaltungen des Chiemsees. Veranstaltet vom Chiemsee Yacht-Club (CYC) führt der Kurs einmal um den See: Vom Start vor dem Club in Prien, über die erste Tonne am das Rasthaus Felden, weiter zur zweiten Tonne auf Höhe Feldwies, dann über den Weitsee nach Seebruck, zurück nach Gollenshausen und an der Kreuzkapelle auf der Herren vorbei zurück in das Ziel vor dem CYC. Üblicherweise ein sportliches Abenteuer für über 100 Boote.
Die Regatta: Hitze schlägt Wind
Trotz extremer Hitze hatten in diesem Jahr 89 Boote gemeldet. Nach dem traditionellen Weißwurstfrühstück im Clubcasino „Die Bootschaft" und der Streuerleutebesprechung fiel der Startschuss pünktlich um 11 Uhr. Die Mannschaften auf den Schiffen kämpften sich bei sehr schwachem und dabei drehenden Nordostwind Meter für Meter Richtung Rasthaus Felden. An der ersten zu rundenden Wegmarke schob sich das Feld enger zusammen und selbst die Umrundung der Tonne war ein zeit- und nervenraubender Akt, was im weiteren Verlauf einige Teilnehmer zur Aufgabe veranlasste. Während eine Spitzengruppe den Hauch von Wind gut nutzen konnte und sich ein Teil über die Herreninsel, ein anderer Teil autobahnnah Richtung Übersee bewegte, hatte das Gros des Feldes die erste Tonne immer noch nicht umrundet. Dabei brannte die Sonne gnadenlos auf See und Boote. Die Sicherungsboote aus Metall oder schwarzem Gummi heizten sich stark auf und belasteten zudem das Veranstalterteam bestehend aus Wettfahrtleitung und Regattahelfern auf dem Wasser.
Das erste Blaue Band, das jemals abgebrochen werden musste.
Schweren Herzens und nach intensiven Beratungen per Funk, entschloss sich die Wettfahrtleitung die Regatta nach drei Stunden gegen 14 Uhr abzubrechen. Der Präsident des Chiemsee Yacht Clubs, Dr. Matthias Gebauer fand dafür treffende Worte:
„Solche Regatten sind etwas für starke Nerven – für diejenigen, die in der Flaute stehen, für die Helfer auf den Sicherungs- und Begleitbooten in glühender Hitze und für die versierten Segler, die vorankommen und zuletzt doch umkehren müssen."
Doch der Abend sollte beweisen, dass das Blaue Band auch ohne Wettfahrt eine Kult-Regatta ist. Bei karibischen Temperaturen wurde gegrillt dazu gab es sommerliche Salate und Beilagen – die Clubterrasse war gut gefüllt und die Stimmung bestens. Bis in die Nacht hinein wurde auf der Terrasse diskutiert und gefachsimpelt. Bis 20 Uhr füllte sich der Club mit weiteren erfrischten Seglern, die zur Preisverleihung kamen und mit einem besonderen Höhepunkt belohnt wurden: Hans Eisenlohr präsentierte einen sehr interessanten wie kurzweiligen Diavortrag zum Rückblick auf die Geschichte des Blauen Bandes des Chiemsee Yacht Clubs. Vorbereitet hatte er ihn gemeinsam mit Ehrenmitglied und Archivar Richard Brandl sowie Agathon König, einem der Gründerväter der Chiemseemeisterschaft. Besonders hervorgehoben wurden dabei unter anderem die beiden Wettfahrtleiter, die das Blaue Band über die Jahrzehnte geprägt hatten: Volkmar Stecher und Hans Vogt. Spontan wurden zwei Ehrenpreise vergeben: an Friedl Liese und Sibylle Eisenlohr, die am häufigsten am Blauen Band teilgenommen hatten – sowie an Hans Eisenlohr für seinen gelungenen Vortrag.
Spontane Ehrungen und eine ungewöhnliche Preisverleihung
Doch an wen sollten nun die Preise für die Gruppenwertungen gehen, und die beiden blauen Bänder, die normalerweise die Teams des schnellsten Bootes und des schnellsten Bootes nach berechneter Zeit bekamen? Und wen küren, wenn keiner gewonnen hatte? Die angekündigte Preisverleihung lösten Sportwartin Anne-Marie Hamm gemeinsam mit Sportmanager Nico Lutz auf besonders charmante Weise: Mit einem Loskorb zogen die beiden von Tisch zu Tisch, wo jeweils eine spontan gekürte „Losfee" die Namen derjenigen zog, die die zufälligen Gewinnerinnen und Gewinner verlesen durften. Für großes Gelächter sorgte Expräsident Wolfi Böttger, der beim Scherz, er ziehe immer seinen eigenen Namen, tatsächlich seinen eigenen Namen zog. Er schenkte den Korb daraufhin großzügig seinem Segelfreund Stephan Vogt. Der Tisch vom DHH sorgte für weitere Heiterkeit, als er zwar als Losfeetisch kein Glück bescherte, dabei aber die meisten Körbe an den DHH-Tisch gelost wurden.
Ein Teilnehmerpreis der besonderen Art
Als Erinnerung an diesen einzigartigen Abend erhielten alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer einen CYC-Tumbler– und darin ein ganz besonderes Andenken: zerschnittene Stücke der beiden blauen Siegerschärpen „Blaues Band 2026“, sodass jeder Steuermann dieses einzige Mal, sein „eigenes" Blaues Band mitnehmen konnte. Ein lustiges Souvenir für eine Regatta, die zwar nicht gesegelt, aber nicht vergessen werden wird. Erstmals in der Geschichte des Blauen Bandes gab es keine Verlierer, nur Gewinner – und gottlob auch keine Hitzeschäden. Ein besondere Dank ging auch an den Hauptsponsor der Veranstaltung, Autohaus BMW Unterberger.
Gesellig klang der Abend gegen 23 Uhr aus. Wir freuen uns auf das Blaue Band 2027– wenn die Schärpe wieder im Stück überreicht werden kann, der Wind mitspielt und der Chiemsee seinem Ruf als großartige Regattabühne wieder alle Ehre macht.
Danke an Michael Müller für die Regattafotos @www.michaelmuellerfotografie.com
Text/Fotos Abend: Iris Huber































































