Am Freitag, dem 4. September, wurden am Steg des Chiemsee Yacht Clubs nicht nur die Preisträger der vorletzten Abendregatta gefeiert: Caro und Manfred Kerl hatten anlässlich des runden Geburtstags ihrer „alten Dame“ und ihrer erfolgreichen Wiederauferstehung nach dem Kentermanöver bei der Seebrucker Hafentrophy zum Stegfest eingeladen. Zahlreiche Clubmitglieder und Teilnehmer der Abendregatten und der Chiemsee Meisterschaft folgten der Einladung.
Im Mittelpunkt dieses besonderen Stegfestes stand eine ganz besondere Jubilarin: der 20er Jollenkreuzer NELE, Baujahr 1956 – und damit stolze 70 Jahre alt. Beim missglückten Spinnakermanöver war die NELE vor wenigen Wochen auf Tauchstation gegangen. Glücklicherweise blieb es bei einem gehörigen Schrecken: Weder Boot noch Manfred Kerl oder Vorschoterin Kathrin Kerl kamen nennenswert zu Schaden. Nur Kathrins Handy blieb auf der Strecke. Damit war die Bilanz des Kentermanövers letztlich erstaunlich glimpflich – und vor allem Anlass genug nicht nur den runden Geburtstag, sondern auch die Wiederauferstehung der NELE gebührend zu feiern.
Eine 70-jährige Geschichte voller Segelmomente
Manfred Kerl ließ in seiner Ansprache die Geschichte der NELE Revue passieren. 1956 wurde sie bei der Feltz-Werft in Hamburg gebaut. 1989 kam die damals bereits robuste und kräftige Dame an den Chiemsee, wo sie der Familie Kerl seither auf zahlreichen Revieren und bei vielen Regatten im Rahmen der Chiemsee Meisterschaft treue Dienste leistete.
Zu den besonderen Kapiteln ihrer Geschichte gehört eine Reise, die sogar die Zeitschrift YACHT dokumentierte: eine Drei-Generationen-Fahrt der Familie Kerl mit den beiden 20er Jollenkreuzern NELE und MERLE durch Mecklenburg-Vorpommern.
Mit an Bord waren damals drei Generationen – Großeltern, Eltern und Kinder. Die Reise führte von der Peene über Achterwasser und Boddengewässer bis hinaus in Richtung Ostsee. Insgesamt legte die Familie auf ihrem Törn rund 270 Seemeilen in 15 Tagen zurück.
Dabei wurde schnell deutlich, was die kleinen Jollenkreuzer ausmacht: wenig Platz, dafür umso mehr gemeinsames Segelerlebnis. Die Kinder halfen beim Steuern und Segelbergen, die Erwachsenen teilten sich die Arbeit – und abends wurde im Cockpit gemeinsam der Tag Revue passieren gelassen. Gerade diese Mischung aus Herausforderung, Improvisation und Familiengemeinschaft machte die Reise zu einem der Höhepunkte in der Geschichte der NELE.
Die Tour führte die Familie unter anderem nach Stralsund und Hiddensee. Auch anspruchsvollere Bedingungen gehörten dazu: Auf dem Jasmunder Bodden frischte der Wind auf 4 bis 5 Beaufort auf, die kurze, steile Welle brachte die kleinen Boote durchaus an ihre Grenzen. Gesegelt wurde mit Reff, kleiner Fock, Ölzeug und Rettungswesten.
Besonders eindrucksvoll war schließlich die Fahrt hinaus auf die offene Ostsee. Rund 20 Seemeilen ohne Ausweichmöglichkeit lagen zwischen Hiddensee und Barhöft. Die YACHT beschrieb diesen Abschnitt als das Limit dessen, was mit einem Jollenkreuzer dieser Art sinnvoll machbar sei.
Und auch die Peene selbst wurde zum Erlebnis: Zwischen grüner Landschaft, Fischadlern, Eisvögeln, Graureihern, Fischottern und Bibern führte die Reise weiter bis zum Kummerower See. Dort konnten die Masten wieder gestellt werden – und anschließend ging es bei achterlichen 4 bis 5 Beaufort mit ordentlich Fahrt weiter.
Für Manfred Kerl war diese Drei-Generationen-Fahrt damit nicht nur eine außergewöhnliche Reise, sondern ein schönes Beispiel dafür, was die NELE über Jahrzehnte ermöglicht hat: Segeln, Abenteuer und gemeinsame Zeit über Generationen hinweg.
Stegfest mit kulinarischem Kurs
Nach so viel Segelgeschichte durfte natürlich auch das leibliche Wohl nicht zu kurz kommen. Die Clubgastronomie die Bootschaft verwöhnte die Gäste mit feinen Häppchen: Kalbsfleischpflanzerl, Lachscreme-Canapés, Hokkaido-Mousse mit Pfifferlingen und Mousse au Chocolat sorgten dafür, dass an dem Abend niemand hungrig blieb.
Bei Freibier, weiteren Getränken und vielen Gesprächen entwickelte sich das Stegfest zu einem ausgesprochen geselligen Abend und die NELE bekam reichlich Gelegenheit, auf ihre 70 Jahre anzustoßen. Die „alte Dame“ hat damit nicht nur ihr Kentermanöver überstanden, sondern auch ihre Wiederauferstehungsfeier mit Bravour. Und nach 70 Jahren darf man wohl davon ausgehen: Ein paar weitere schöne Segelmomente kommen noch dazu.






































