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vom 10. BIS 15. SEPTEMBER 2005 FEATURES UND FOTOS Artikel u. Fotos mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift "SEGELN" Deutschlands schönste Binnen-Segelreviere (II) Der Chiemsee (Ost) ![]() Der östliche Teil des Chiemsees, von den Einheimischen "Weitsee" genannt, breitet sich ostwärts der Linie Gstadt, Fraueninsel und dem Ort Seethal aus. Britt Grünke und Detlef Stöcker mit der Fortsetzung ihrer Impressionen vom "Bayerischen Meer". Vom Yachthafen Breitenbrunn ist es nur ein kurzer Weg unter Segeln bis zur Fraueninsel. Erfreut nehmen wir zur Kenntnis, dass es auf der Insel einen Segelverein mit Gastliegeplätzen gibt und somit der Anreise auf eigenem Kiel nichts im Wege steht. Am nördlichen Ufer der Fraueninsel, gegenüber der Ortschaft Gstadt, finden wir die kleine Steganlage, an der wir das Glück haben, noch einen Anlegeplatz ergattern zu können. Zu dieser frühen Stunde sind nur wenige Besucher auf der Insel, diese werden am Vormittag gleich schiffsladungsweise herangebracht, so dass sich bis zur Mittagsstunde die Fraueninsel mit überbordendem Leben füllt. Einstmals war es ein beschauliches, weltabgeschiedenes Eiland, wovon die über 1225jährige Benediktinerinnen-Abtei kündet, die noch in unseren Tagen als Kloster genutzt wird.Das Münster gehört zu den ältesten Sakralbauten in Deutschland, so dass der kunst- und kulturbegeisterte Segler auf der Fraueninsel ein weites, zu erkundendes Feld vorfindet. Die Umrundung der Insel per Pedes dauert etwa eine halbe Stunde. Viele Gastwirtschaften, mit den für Bayern typischen weitläufigen Biergärten, locken die Gäste. Wir entdeckten auf unserer Inseltour jedoch die kleine Gartenwirtschaft eines Fischers, wo wir uns mit frisch geräucherten Renken und einer kühlen Radlermaß erfrischen. Die Renke wird im Norden Deutschlands auch Große Maräne genannt und ist neben den gleichsam sehr leckeren Seeforellen der wichtigste Speisefisch im Chiemsee. Zu warnen bleibt nur vor dem höllisch scharfen Meerrettich, der zu den Räucherfischen gereicht wird. Als ich keuchend vor der Schärfe des Meerrettichs um eine weitere Scheibe Brot bat, erwiderte der feixende Fischer beim Reichen der Brotscheibe: "Jo der is scho guat scharf unser Meerrettich, der macht dir‘s Hirn und Nosn frei, do konnst glei wiader besser denka und‘n Heischnubbfn haut’s glei mit aussa!" Der malerische alte Fischerort der Fraueninsel überrascht uns noch öfters mit interessanten und bezaubernden Einblicken, bevor wir wieder das Boot erreichen. Der Wunsch nach einer Art Robinsonade lässt uns noch die Nacht am Steg verbringen, und mit dem Ablegen der letzten Fahrgastschiffe kehrt etwas von der Ruhe und Abgeschiedenheit der vergangenen 1200 Jahre zurück, so dass sich die Fraueninsel zur dämmrigen Stunde in einen wahren Märchenplatz verwandelt. Im ersten Licht des nächsten Tages nehmen wir Kurs auf die große, offene Wasserfläche des "Weitsees". Mit dem höheren Sonnenstand setzt der für Bergseen typische thermische Wind ein und so ist Seebruck bald erreicht. Der große Yachthafen bietet moderne Gastliegeplätze und freundlichen Service. Während unseres Besuchs findet gerade eine große Opti-Regatta statt und der Hafen ist erfüllt von Leben. Auf der Seeterasse des Restaurants Hafenwirt ist kein Platz zu finden. So brechen wir zur Ortsbesichtigung mit Hund und Bordrad auf. Nahe des Yachthafens fließt das Chiemseewasser in die Alz, die das überschüssige Wasser vom See abführt. Der südlich, am Ostufer gelegene Ort Chieming bietet lediglich Jollen- und wenige Kurzzeitliegeplätze. Und so segeln wir weiter bis vor das Mündungsdelta der Tiroler Ache. Das Flussdelta unterliegt ständigen Formungsprozessen und ist das größte Binnendelta Europas. Vom Hauptmündungsarm der Tiroler Ache zweigen viele kleinere und kleinste Nebenmündungsarme ab und breiten sich, einem Fächer gleich, am Südostufer des Chiemsees aus.Eine Kette aus weißen Bojen markiert die Linie, die nicht überfahren werden darf, da das Mündungsdelta der Tiroler Ache als Totalreservat ausgewiesen und jegliches Befahren, Betreten oder sonstige Nutzen strengstens verboten ist. Ein Rückzugsgebiet für vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten ist der Lohn der Rücksichtnahme. Weithin sichtbar leuchten die weißen Kalksediment- und Sandbänke aus dem azurblauen Wasser, und Stück für Stück folgt die Auenwald-Vegetation dem sich stetig weiter in den Chiemsee vordringenden Delta. Das etwa sechs Quadratkilometer große Achendelta wächst um 1,3 Hektar jährlich und durch das massive Einbringen von Geröll, wird die Verlandung des Chiemsees für die nächsten 10- bis 20000 Jahre prognostiziert. Um einen Landvorsprung herumsegelnd segeln wir südwärts und halten Kurs auf Feldwies, wo mehrere Segelvereine beheimatet sind. In einem Einstich befinden sich ruhige und idyllische Liegeplätze. Von Feldwies aus besteht die einzige Möglichkeit, an Bord der alten Hafenbarkasse "Birgit" unter sachkundiger Leitung in das Achendelta einzufahren. Hierbei erhält der Besucher viele Informationen über Entstehen und Vergehen von Bergseen und über eines der letzten vitalen Binnendeltas der Erde. ![]() Beim Bernauer Ortsteil Felden endet unser Chiemsee-Törn. Wir legen an einer neuen Steganlage an und räumen das Boot. Nachdem alle Modalitäten geregelt sind, das Gepäck im Auto verstaut wurde und alles klar für die Abreise ist, kehren wir noch im nahen Restaurant Badehaus ein und genießen bei gut bayerischem Abendessen den Sonnenuntergang über dem Chiemsee. Das Bayerische Meer und der Chiemgau bietet dem Besucher das, was kaum ein anderes Segelrevier in Deutschland so harmonisch vereint: Die Symbiose aus Berg- und Seetourismus. Ausgedehntes Segeln, Radtouren, Bergwanderungen und Kurztripps mit dem Auto nach Berchtesgaden, Reit im Winkl oder Salzburg bieten für jeden Geschmack und in solcher Vielfalt etwas, wie wir es in anderen Binnen-Segelrevieren Deutschlands in dieser Fülle noch nicht erlebten. Am besten jedoch gefällt der Umstand, dass der Besucher nicht als notwendiges Übel zum Bestreiten des Lebensunterhaltes wahrgenommen wird. Man ist Gleicher unter Gleichen, ist Freund unter Freunden, das alles bildet den besonderen Reiz eines Segelurlaubs am Chiemsee. INFOS
Gaststätten Sturmwarndienst Rings um den Chiemsee sind orange Blinklichter installiert, diese werden bei Starkwindwarnung aktiviert. Die Signale und Lichterscheinungen bedeuten: Ausgelöst werden die Lichtsignale etwa eine Stunde vor dem wahrscheinlichen Einsetzen des Starkwindes/Sturmes. Rettungsdienste Charter/Bootservice Die Zeitschrift "SEGELN" und die Autoren Britt Grünke und Detlef Stöcker (www.wasserwanderungen.de) haben uns diesen interessanten Artikel über den Chiemsee zur Verfügung gestellt. Dafür möchte ich mich als Flottenchef vom Chiemsee und Simssee herzlich bedanken. Peter Krause ![]() |
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