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BERICHTE 2009: WELTMEISTERSCHAFT 470ER

Übersicht

Weltmeisterin wird erwachsen
Tina Lutz bei den Großen 470ern erfolgreich angekommen

WM 470er
Susann Beucke und Tina Lutz knapp in Führung vor Lisa Westerhof (Niederlande) beim Zieleinlauf der ersten Wettfahrt. Foto: © 2009 Martin Blum

Schnell war der Aufstieg der "kleinen" Opti-Weltmeisterin Tina Lutz. In nur 3 Jahren sprang sie mit Vorschoterin Susann Beucke über den 420er in den 470er. Die erste Weltmeisterschaft mit Olympia im Hintergrund brachte jetzt den 15. Platz, beste Deutsche und Erfüllung der B-Kader-Kriterien - inmitten des erstklassigen, internationalen und namhaften Feldes.

Noch zu Anfang des Jahres fuhren die beiden Mädchen (Chiemsee Yacht Club / Hannoverscher Yacht Club) eher die Junioren-Meisterschaften. Zwar Weltmeisterschaften, aber eben noch ein wenig "behütet".

In Dänemark nun trafen sie auf alle: Auf die, die bei den Olympischen Spielen waren, und die, die 2012 unbedingt nach London / Weymouth wollen. Würdig war das Revier nahe Kopenhagen. Alle Bedingungen galt es zu beherrschen: Viel bis wenig Wind, viel bis wenig Welle, konstante Tage, böige und drehende Tage. Spezialisten fielen zurück und mussten den wahren Allroundern weichen.

Tina und Susann (Team Musto / Ohin) fanden ihren Platz schon bei der ersten Wettfahrt - am Start gut herausgekommen und die richtige Seite erahnt. Die ganze Wettfahrt über in Führung auf dem trapezförmigen Kurs mit vier Bojen, immer die spätere Siegerin Lisa Westerhof aus den Niederlanden im Nacken. Vielleicht ist das ein gutes Omen, denn Westerhof war ein Jahr vor Lutz Opti-Weltmeisterin. "Opti-Weltmeisterin" bürgt offenbar für Segelqualität. Die weiteren Wettfahrten in der Goldflotte waren auch alle erfreulich gut, schlechtester Platz 18.

Der Trainer des Bayerischen Landesverbandes, Zizi Staniul, betreute nur Tina und Susann. Ganz ruhig, immer nur mit kleinen, aber goldrichtigen Hinweisen über Wetter, Kurs oder Gegner war er der feste Pol, den die beiden Mädchen brauchten. Und sie brauchten noch ein Team als Ansprechpartner, mit dem sie sich in Ruhe austauschen konnten. Wettfahrten und Gegnerinnen gut analysieren konnten und sich gemeinsam an in der Hektik schon fast vergessene Ereignisse zurückerinnern konnten - dies fanden sie im israelischen Damen-Team mit Gil Cohen und Dana Mamriev (16. Platz).

Die Kriterien des Deutschen Segler-Verbandes für eine B-Kader-Berufung sind nun erfüllt. Mindestens Platz 16 musste es sein, damit sie in den Anschlusskader des Deutschen Spitzenkaders aufgenommen werden können. Bisher profitierten sie finanziell fast gar nicht von ihrer D/C-Kader Zugehörigkeit. Jetzt hoffen sie auf Beteiligung des Seglerverbandes zumindest bei den Kosten und Aufwänden für die weltweiten Regatten.

Tina Lutz trainiert zu Hause fast täglich, während Papa Reinhold sich um das Material kümmert. So macht weder die körperliche Fitness noch das Material Probleme - trotz des Mutes, ein neues polnisches Boot von Baranowski zu fahren und damit den altbewährten Booten die Stirn zu bieten. Auch der Mast verspricht viel. Einmal musste Tina auf dem Halbwind-Schlag von der Luvboje zu Boje zwei wegen starker Böen den Baumniederholer "aufschmeissen". Dadurch, und weil die sonst obligatorische Mastsicherung fehlte, bog sich der Mast durch den Druck am Top negativ nach hinten durch, hielt aber gerade noch. Die Schrecksekunde blieb den beiden erspart, denn voll konzentriert haben dies nicht sie, sondern die Trainer bemerkt.

Tina und Susann werden nun weiter gern mit ihren Trainern arbeiten, denn selbst die anfangs unterschätzten Trainingstage am Chiemsee bei Leichtwind haben sich in Dänemark bewährt. "Flauten" werden nun anders gefahren, und zwar richtig gut."


Text: Martin Blum

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